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Bundeswehr

FCAS: Europas Kampfjet der Zukunft

22.05.2026

FCAS: Europas Kampfjet der Zukunft

Das Kürzel FCAS taucht in Haushaltsdebatten, Verteidigungsberichten und auf Luftfahrtmessen immer regelmäßiger auf. Doch was genau verbirgt sich dahinter? Hier kommt alles, was man wissen muss: Konzept, beteiligte Länder, geplante Fähigkeiten und der Stand des Projekts im Jahr 2026.

Was ist das FCAS-Projekt? Eine Einführung

FCAS steht für Future Combat Air System. Auf Französisch heißt das Programm SCAF: Système de Combat Aérien du Futur. Der Name legt nahe, es gehe um einen einzelnen Kampfjet. Das stimmt nur zum Teil.

FCAS ist ein vernetztes System aus mehreren Komponenten. Im Mittelpunkt steht der New Generation Fighter (NGF): ein bemanntes Kampfflugzeug der sechsten Generation, das den Eurofighter und die französische Rafale ab etwa 2040 ablösen soll. Der NGF ist aber nur ein Baustein. Das Gesamtsystem besteht aus: 

  • Erstens den Remote Carriers, unbemannten Drohnenbegleitern, die der Pilot des NGF direkt befehligen kann, mehrere davon gleichzeitig.
  • Zweitens der Combat Cloud, einem gesicherten Datennetzwerk, das alle Einheiten im Einsatz in Echtzeit verbindet. Jeder Teilnehmer, ob Flugzeug, Bodensystem oder Schiff, sieht dasselbe Lagebild.
  • Drittens neuen Triebwerks- und Waffensystemen, die speziell auf die Anforderungen des NGF ausgelegt werden.

Das Grundprinzip nennt sich "Manned-Unmanned Teaming". Ein bemanntes Führungsflugzeug koordiniert unbemannte Einheiten, teilt Sensordaten und vergibt Aufgaben in Echtzeit. Wer FCAS ausschließlich als Eurofighter-Nachfolger begreift, erfasst nur die Hälfte des Konzepts.

Wer ist beteiligt? Deutschland, Frankreich und Spanien

Drei Staaten finanzieren das Programm zu je einem Drittel: Deutschland, Frankreich und Spanien.

Auf der Industrieseite führt Dassault Aviation den NGF auf französischer Seite, Airbus Defence & Space auf deutscher und spanischer Seite. Spanien bringt Indra Sistemas als drittes Industrieunternehmen ein. Weitere Zulieferer sind MTU Aero Engines für das Triebwerk, Safran und Thales auf französischer Seite sowie MBDA für Lenkwaffensysteme.

FCAS ist Europas Versuch, eine eigene, voll souveräne Luftkampfplatt-form zu entwickeln. Exportentscheidungen würden europäische Regie-rungen treffen. Kritische Software bliebe unter europäischer Hoheit. Kooperationspartner kämen aus Europa, nicht aus Übersee.

Die Arbeitsteilung war von Beginn an eine Quelle politischer Reibung. Dassault beansprucht die alleinige Führungsrolle beim Kampfjet. Airbus besteht auf symmetrischem Workshare. Dieser Streit hat sich schrittweise von der Arbeitsebene auf Regierungsebene hochgezogen und das Programm mehrfach verzögert. Unternehmen wie Hensoldt und MTU Aero Engines gehören zur deutschen Rüstungsindustrie, die durch FCAS über Jahrzehnte eingebunden wird.

Was kann ein Kampfjet der 6. Generation? Die geplanten Fähigkeiten

Ein Kampfflugzeug der sechsten Generation geht deutlich über das hinaus, was der Eurofighter (Generation 4,5) oder die amerikanische F-35 (Generation 5) leisten.

Stealth: Der NGF soll eine erheblich geringere Radarsignatur aufweisen als heutige Flugzeuge. Nicht unsichtbar, aber für feindliche Systeme wesentlich schwerer zu verfolgen und zu bekämpfen.

KI-gestützte Entscheidungsunterstützung: Der Pilot erhält KI-gestützte Entscheidungsunterstützung, die in Echtzeit Bedrohungsanalysen, Zielpriorisierungen und Manöveroptionen berechnet. Der Pilot entscheidet, die KI bereitet auf.

Drohnenführung: Der NGF kann mehrere Remote Carriers gleichzeitig befehligen. Die Drohnen übernehmen Aufgaben, die für bemannte Flugzeuge zu gefährlich wären: erste Angriffswellen in stark abgesichertem Luftraum, Aufklärung tief im feindlichen Gebiet, elektronisches Stören gegnerischer Systeme.

Elektronische Kampfführung: In der elektronischen Kampfführung soll FCAS alle aktuellen westlichen Plattformen übertreffen. Feindliche Radarsysteme, Kommunikationsstrecken und Lenkwaffenführung sollen aus großer Distanz neutralisiert werden können.

Hyperschall-Kompatibilität: Die Waffenbuchten des NGF sind auf Hyperschallraketen ausgelegt.

Combat Cloud-Konnektivität: Alle Einheiten im Einsatzgebiet teilen ein verschlüsseltes gemeinsames Lagebild. Kein Flugzeug kämpft isoliert vom Rest des Verbands.

Die Fähigkeiten und Einsatzmöglichkeiten eines Kampfflugzeugs der 6. Generation gehen deutlich über das hinaus, was der Eurofighter (Generation 4.5) oder die amerikanische F-35 (Generation 5) leisten können. Das Flugzeug selbst ist dabei nur Teil eines Verbundsystems, zu dem auch unbemannte Drohnen und ein gesichertes Datennetzwerk (Combat Cloud) gehören.

Der Zeitplan: Wann fliegt FCAS?

Das Programm läuft seit 2019 in klar definierten Phasen:

  • Phase 1A (2020-2022): Erste Studien und Konzeptentwicklung, Budget rund 65 Millionen Euro, gleich aufgeteilt zwischen Frankreich und Deutschland.
  • Phase 1B (2023 bis ca. 2026): Rund 3,2 Milliarden Euro für Demonstrator-Designs, Technologiereifung und Systemarchitektur. Knapp 2.000 Ingenieure arbeiteten an Studien und Konzepten. Dieser Abschnitt finanziert parallel Arbeiten am NGF-Demonstrator, an Remote-Carrier-Entwürfen und an der Combat-Cloud-Architektur.
  • Phase 2 (ursprünglich ab Anfang 2026): Bau eines flugfähigen Demonstrators, Erstflug für 2029 geplant.
  • Vollständige Einsatzbereitschaft: angestrebt um 2040.

Stand Mai 2026: Phase 2 hat noch nicht begonnen. Airbus und Dassault konnten sich trotz monatelanger Verhandlungen nicht auf ein gemeinsames Angebot einigen. Airbus-Chef Guillaume Faury erklärte öffentlich, Dassault könne das Programm verlassen, wenn es nicht zufrieden sei. Dassault-Chef Éric Trappier bezeichnete die Situation im März 2026 als kritisch und setzte eine kurze Frist für eine Einigung. Die Entscheidung über den weiteren Verlauf liegt mittlerweile auf Regierungsebene. Ob und wann Phase 2 startet, ist zum Zeitpunkt dieses Artikels offen. Das Programm ist politisch nicht beendet. Frankreich, Deutschland und Spanien halten offiziell daran fest. Wie sich die Verzögerungen auf die Investitionen in die Bundeswehr auswirken, die unter anderem FCAS langfristig mitfinanzieren müssen, ist ein offenes Haushaltsthema.

Warum ist FCAS für Europas Verteidigungsautonomie wichtig?

Europa fliegt seine modernsten Kampfflugzeuge mehrheitlich mit amerikanischer Technologie. Die F-35 ist in den Niederlanden, Belgien, Dänemark und Norwegen im Einsatz, weitere NATO-Staaten folgen. Die F-35 ist in amerikanischen Systemen zertifiziert, mit amerikanischer Software ausgestattet. Bestimmte Einsatzgenehmigungen und Systemupdates hängen von Washington ab.

FCAS ist Europas Versuch, eine eigene, voll souveräne Luftkampfplattform zu entwickeln. Exportentscheidungen würden europäische Regierungen treffen. Kritische Software bliebe unter europäischer Hoheit. Kooperationspartner kämen aus Europa, nicht aus Übersee.

Das macht FCAS zu einem der konkretesten Bausteine der europäischen Verteidigungsautonomie. Ob diese Autonomie gelingt, hängt maßgeblich davon ab, ob Frankreich und Deutschland die industriellen Differenzen überwinden, bevor das Programm an Fahrt verliert.

FCAS vs. GCAP: Europas zweiter Kampfjet der Zukunft

FCAS ist nicht das einzige laufende Sechstgenerationsprogramm in Europa. Großbritannien, Italien und Japan entwickeln unter dem Namen GCAP (Global Combat Air Programme) einen eigenen Nachfolger für den Eurofighter Typhoon und die japanische Mitsubishi F-2.

GCAP zielt auf 2035 als Einführungsjahr, fünf Jahre vor FCAS. Der erste Demonstratorflug ist für 2027 vorgesehen. Im April 2026 erhielt das Joint Venture Edgewing (BAE Systems, Leonardo, Japan Aircraft Industrial Enhancement Co.) einen ersten internationalen Vertrag über rund 686 Millionen Pfund. Auch GCAP kämpft derzeit mit Finanzierungsfragen: Die britische Überbrückungsfinanzierung läuft im Juni 2026 aus. Warum wurden die beiden Programme nicht zusammengelegt?

Frankreich wollte die technologische Führung beim Kampfjet behalten. Großbritannien wollte nach dem Brexit keine strukturelle Abhängigkeit von einem kontinentaleuropäischen Konsortium eingehen. Dazu kamen unterschiedliche operative Anforderungen, insbesondere bezüglich Trägerfähigkeit auf Flugzeugträgern in Frankreich. Das Ergebnis sind zwei parallele Programme, die jeweils Dutzende Milliarden in Anspruch nehmen. Ob das die klügste Ressourcenverteilung für Europa ist, lässt sich diskutieren.

Was bedeutet FCAS für die Deutsche Luftwaffe?

Deutschland fliegt heute den Eurofighter in mehreren Varianten. Der Tornado, jahrzehntelang das Arbeitsflugzeug für Tiefangriff und nukleare Teilhabe, wurde durch neuere Eurofighter-Versionen schrittweise abgelöst.

FCAS ist der langfristig geplante Nachfolger des Eurofighters für die Bundesluftwaffe. Deutsche Unternehmen sind in allen zentralen Bereichen eingebunden: Airbus Defence & Space bei Gesamtsystem, NGF-Partnerschaft und Remote Carriers, MTU Aero Engines beim Triebwerk, Hensoldt bei Radar und Sensoren sowie MBDA Deutschland bei Lenkwaffensystemen.

Der gestiegene Verteidigungshaushalt und die daraus folgenden Investitionen in die Bundeswehr müssen unter anderem FCAS finanzieren. Die Gesamtentwicklungskosten werden auf über 100 Milliarden Euro geschätzt. Das macht FCAS nicht nur zu einem Rüstungsprogramm, sondern zu einem der größten Industrieprojekte, die Deutschland in den nächsten Jahrzehnten mitträgt.

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Häufige Fragen zu FCAS

Was ist der Unterschied zwischen FCAS und dem Eurofighter?

Der Eurofighter ist ein Kampfflugzeug der Generation 4,5, das seit 2003 in Dienst steht. FCAS ist sein geplanter Nachfolger ab 2040, aber kein simples Nachfolgeflugzeug. FCAS umfasst den New Generation Fighter, unbemannte Remote Carriers, eine vernetzte Combat Cloud und neue Waffensysteme. Der Eurofighter kämpft als Einzelflugzeug im Verband; der NGF führt dagegen ein vernetztes System aus bemannten und unbemannten Einheiten.

Wann wird FCAS einsatzbereit sein?

Das offizielle Ziel ist volle Einsatzbereitschaft um das Jahr 2040. Der erste Demonstratorflug war ursprünglich für 2029 geplant. Phase 2, in der der Demonstrator gebaut werden soll, hatte bis Mai 2026 jedoch noch nicht begonnen, weil sich Airbus und Dassault nicht auf ein gemeinsames Angebot einigen konnten. Verzögerungen im Zeitplan sind deshalb realistisch einzuplanen.

Was sind Remote Carriers beim FCAS?

Remote Carriers sind unbemannte Flugkörper, die gemeinsam mit dem bemannten New Generation Fighter fliegen und vom Piloten direkt geführt werden. Sie übernehmen Aufgaben, die für bemannte Flugzeuge zu riskant wären: erste Angriffswellen in verteidigtem Luftraum, Aufklärung tief im feindlichen Gebiet, elektronisches Stören. Ein NGF-Pilot kann mehrere Remote Carriers gleichzeitig steuern und ihre Sensordaten in Echtzeit empfangen, was die Reichweite und Wirkung des Gesamtsystems erheblich ausdehnt.

Was ist der Unterschied zwischen FCAS und GCAP?

FCAS ist das Programm von Deutschland, Frankreich und Spanien, das auf 2040 zielt. GCAP (Global Combat Air Programme) ist das parallele Programm von Großbritannien, Italien und Japan, das auf 2035 zielt. Beide Projekte entwickeln Kampfflugzeuge der sechsten Generation, aber vollständig getrennt voneinander. Ein gemeinsames Programm kam nicht zustande, weil die beteiligten Länder unterschiedliche Anforderungen, Industrieinteressen und Souveränitätsansprüche haben.